Infrarotheizung als Hauptheizung: Was die Rechnung zeigt
Ob eine Infrarotheizung als Hauptheizung reicht, entscheidet nicht das Heizprinzip, sondern der Wärmebedarf Ihrer Wohnung: Eine Infrarotheizung setzt Strom vollständig in Wärme um, also muss genau so viel Strom bezahlt werden, wie die Wohnung Wärme verliert. Bei einem Wärmebedarf von 6.000 kWh im Jahr sind das 6.000 kWh Strom, bei einem angenommenen Strompreis von 0,35 €/kWh also 2.100 € im Jahr. Dieser Wert ist ein Rechenbeispiel. Ihr tatsächlicher Bedarf hängt von Gebäude, Dämmung, Lage und Heizverhalten ab.
Dieser Ratgeber rechnet drei Wohnungsgrößen mit drei angenommenen Wärmebedarfen durch, zeigt, wie viel Anschlussleistung dabei zusammenkommt, und nennt die Fragen, die vor einer Entscheidung geklärt werden müssen. Er ist keine Heizungsplanung. Eine verbindliche Einschätzung leisten ein Energieberater oder ein Fachbetrieb. Alle Zahlen sind Annahmen zur Veranschaulichung, keine Messwerte.
Die Grundrechnung: Wärmebedarf = Strombedarf
Elektroheizungen haben eine einfache Bilanz: 1 kWh Strom wird zu 1 kWh Wärme. Das gilt für Infrarotheizung, Heizlüfter, Konvektor und Ölradiator gleichermaßen. Die Jahreskosten ergeben sich so:
Wohnfläche × Wärmebedarf je m² und Jahr = Wärmebedarf in kWh = Strombedarf in kWh Strombedarf × Strompreis = Jahreskosten
Den Wärmebedarf Ihrer Wohnung finden Sie in Unterlagen wie Heizkostenabrechnung, Energieausweis oder in der Auskunft von Vermieter oder Hausverwaltung. Rechnen Sie dabei in kWh, nicht in Kubikmetern oder Litern; die Umrechnung steht in der Regel auf der Abrechnung. Wichtig: Der Wert aus der Abrechnung schließt die Verluste der bisherigen Heizung ein und enthält oft auch die Warmwasserbereitung, falls diese über die Zentralheizung läuft; beides ist für die reine Raumheizung abzuziehen bzw. zu bedenken. Für eine überschlägige Rechnung genügt er als Ausgangspunkt, für eine Planung nicht.
Szenarien: Jahresstrom und Kosten bei 0,35 €/kWh (Annahme)
Die folgenden Wärmebedarfe pro Quadratmeter (50, 100 und 150 kWh je m² und Jahr) sind frei gewählte Rechenwerte für eine gut gedämmte, eine mittlere und eine wenig gedämmte Wohnung. Sie sind keine Angabe zu einem bestimmten Gebäude und keine Statistik. Zum Einordnen: Der Energieausweis für Wohngebäude teilt den Endenergiebedarf bzw. -verbrauch in Effizienzklassen von A+ (bis 30 kWh/m²·a) bis H (über 250 kWh/m²·a) ein. 50 kWh/m²·a ist dort die Obergrenze der Klasse A, 100 die der Klasse C, 150 liegt in Klasse E (bis 160). Der Ausweiswert enthält in der Regel auch Warmwasser.
| Wohnfläche | 50 kWh/m²·a: Strom und Kosten | 100 kWh/m²·a: Strom und Kosten | 150 kWh/m²·a: Strom und Kosten |
|---|---|---|---|
| 40 m² | 2.000 kWh · 700 € | 4.000 kWh · 1.400 € | 6.000 kWh · 2.100 € |
| 60 m² | 3.000 kWh · 1.050 € | 6.000 kWh · 2.100 € | 9.000 kWh · 3.150 € |
| 80 m² | 4.000 kWh · 1.400 € | 8.000 kWh · 2.800 € | 12.000 kWh · 4.200 € |
Rechenweg am Beispiel 60 m² bei 100 kWh/m²·a: 60 × 100 = 6.000 kWh; 6.000 × 0,35 € = 2.100 €. Pro Monat verteilt sich das nicht gleichmäßig, denn gerechnet wird mit dem Jahresbedarf; die Hauptlast fällt in die Heizmonate.
Der Strompreis macht den Unterschied
Weil Strom hier Brennstoff und Wärmequelle zugleich ist, wirkt der Arbeitspreis direkt auf die Rechnung. Für einen Strombedarf von 6.000 kWh:
| Strompreis (Annahme) | Jahreskosten bei 6.000 kWh |
|---|---|
| 0,25 € je kWh | 1.500 € |
| 0,35 € je kWh | 2.100 € |
| 0,45 € je kWh | 2.700 € |
Prüfen Sie Ihren Tarif: Maßgeblich ist der Arbeitspreis in Cent je kWh (ohne Grundpreis). Manche Stromversorger bieten gesonderte Tarife für Heizstrom an. Ob ein solcher Tarif in Ihrer Region und für Infrarotheizungen möglich ist, klären Anbieter und Netzbetreiber; wir nennen hier bewusst keine Konditionen.
Zum Vergleich: Wärmepumpe als Rechenillustration
Eine Wärmepumpe nutzt Strom, um Umgebungswärme anzuheben, und liefert mehr Wärme, als sie Strom aufnimmt. Zur Veranschaulichung: Angenommen, eine Wärmepumpe erzeugt aus 1 kWh Strom 3 kWh Wärme (Jahresarbeitszahl 3, reine Rechenillustration, kein Datenblattwert). Dann braucht sie für 6.000 kWh Wärme 2.000 kWh Strom. Bei 0,35 €/kWh wären das 700 € statt 2.100 €.
Daraus folgt keine Empfehlung: Eine Wärmepumpe ist eine bauliche Investition mit Planung, Anlage und Fachbetrieb, die ein Mieter in der Regel nicht entscheidet. Die Rechnung zeigt nur, warum bei einer direkten Stromheizung die Frage nach dem Wärmebedarf der Wohnung im Mittelpunkt steht. Eine Einordnung beider Systeme ohne Zahlen bietet der Ratgeber Wärmepumpe vs. Elektroheizung.
Leistung: Wie viel Watt kommen zusammen?
Die Heizleistung, die beim kältesten Wetter nötig ist, liegt weit über dem Jahresmittel. Als grobe Orientierung rechnet die Seite Watt pro Quadratmeter berechnen mit Faustwerten je nach Dämmung. Mit denselben Rechenwerten (60, 100 und 140 W/m²) ergibt sich:
| Wohnfläche | 60 W/m² | 100 W/m² | 140 W/m² |
|---|---|---|---|
| 40 m² | 2.400 W | 4.000 W | 5.600 W |
| 60 m² | 3.600 W | 6.000 W | 8.400 W |
| 80 m² | 4.800 W | 8.000 W | 11.200 W |
Zur Einordnung: Ein 16-A-Stromkreis liefert bei 230 V rechnerisch 3.680 W. Bei 6.000 W Heizleistung (60 m², 100 W/m²) wären damit mindestens zwei getrennte Stromkreise für die Heizung nötig, bei 8.000 W und mehr drei oder mehr. Der Anschluss mehrerer Heizgeräte, auch wenn sie steckerfertig sind, gehört in die Prüfung durch eine Elektrofachkraft: Sie klärt Stromkreise, Absicherung und den Hausanschluss. Eine Faustformel dafür gibt es nicht. Wie Sie überlasteten Steckdosen vorbeugen, steht in Sicherung fliegt raus bei Elektroheizung.
Wohnräume sind nicht gleich: Welche Räume wie heizen
Eine Wohnung hat mehrere Räume mit unterschiedlichem Bedarf. Eine Infrarotheizung strahlt in den Raum, in dem sie hängt. Das erfordert Planung:
- Je Raum eine Heizfläche passend zur Raumgröße, nicht ein großes Gerät für die ganze Wohnung.
- Türen und Wände zwischen den Räumen: Geschlossene Türen halten die Wärme im Raum, offene verteilen sie.
- Sichtlinie: Strahlung trifft, was im Strahlungsfeld liegt. Möbelstücke davor nehmen Wärme weg (Infrarotheizung richtig positionieren).
- Bad und Feuchträume: nur Geräte mit passender Schutzart und nur nach Anleitung (Elektroheizung im Badezimmer).
- Regelung je Raum: Thermostat oder Steckdosenthermostat pro Gerät. Ohne Regelung läuft jedes Gerät durch (Thermostat für Elektroheizung).
Beispielwohnung: Leistung und Kosten je Raum
Zur Veranschaulichung eine ausgedachte Wohnung mit 60 m² und den Rechenwerten 100 W/m² sowie 100 kWh/m² im Jahr bei 0,35 €/kWh (Annahme). Vereinfachend gilt für alle Räume derselbe Bedarf je Quadratmeter; in der Realität unterscheiden sich Räume (Bad wärmer, Schlafzimmer kühler, Außenwände).
| Raum | Fläche | Rechenleistung (100 W/m²) | Strombedarf im Jahr | Kosten im Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Wohnzimmer | 20 m² | 2.000 W | 2.000 kWh | 700 € |
| Schlafzimmer | 14 m² | 1.400 W | 1.400 kWh | 490 € |
| Küche | 10 m² | 1.000 W | 1.000 kWh | 350 € |
| Bad | 6 m² | 600 W | 600 kWh | 210 € |
| Flur | 10 m² | 1.000 W | 1.000 kWh | 350 € |
| Summe | 60 m² | 6.000 W | 6.000 kWh | 2.100 € |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens verteilt sich die Gesamtleistung auf fünf Geräte mit eigenen Stromanschlüssen; im Wohnzimmer wären 2.000 W bereits mehr als die Hälfte der rechnerischen Tragfähigkeit eines 16-A-Stromkreises (3.680 W). Zweitens zeigt die Zeile „Summe“, dass die Jahreskosten nicht von der Zahl der Geräte abhängen, sondern vom gesamten Wärmebedarf der Wohnung. Wer einzelne Räume weniger heizt (Schlafzimmer, Flur), senkt den Strombedarf dort; wie stark, hängt von Raum und Nachbarräumen ab.
Raumtemperatur und Nutzung: Wo sich die Rechnung verändern lässt
Der angenommene Wärmebedarf ist keine feste Größe. Er verändert sich mit dem Verhalten:
- Wunschtemperatur: Jedes Grad weniger verringert den Wärmebedarf; um wie viel, hängt von Gebäude und Wetter ab und lässt sich nur durch Messung ermitteln.
- Heizzeiten: Räume, die tagsüber leer sind, müssen nicht durchgehend beheizt werden. Programmierbare Thermostate begrenzen die Laufzeit (Stromkosten bei Elektroheizung senken).
- Lüften: Kurzes, kräftiges Lüften ist weniger Wärmeverlust als dauerhaft gekippte Fenster.
- Messen statt schätzen: Nach einigen Wochen Betrieb zeigt der Stromzähler, was die Heizung tatsächlich verbraucht. Ein Energiekosten-Messgerät pro Gerät schlüsselt es nach Räumen auf.
Was die Rechnung nicht leistet
- Sie ersetzt keine Heizlastberechnung. Dafür braucht es Gebäudedaten und Fachwissen.
- Sie sagt nicht, ob die Leistung im Winter reicht. Das hängt von Dämmung, Fenstern und Lage ab.
- Sie nennt keine Anschaffungs- oder Installationskosten. Die hängen vom Gerät, den Leitungen und dem Fachbetrieb ab.
- Sie berücksichtigt keine Fördermöglichkeiten. Wir nennen bewusst keine; erkundigen Sie sich bei Energieberatung oder Fachbetrieb.
- Sie trifft keine Aussage zur Mietwohnung. Feste Installationen und Umbauten bedürfen der Zustimmung des Vermieters.
- Sie prüft keine Rechtslage. Für den festen Einbau einer Stromdirektheizung als Heizungsanlage kann das Gebäudeenergierecht Anforderungen an den Wärmeschutz des Gebäudes stellen; welche Vorgaben aktuell gelten, ändert sich mit Gesetzesnovellen. Ob eine Infrarotheizung in Ihrem Gebäude als Heizung eingebaut werden darf, klärt ein Energieberater.
Was für und gegen den Einsatz als Hauptheizung sprechen kann
Dafür kann sprechen:
- steckerfertige Geräte, einfache Montage, kein Heizraum
- Regelung je Raum
- überschaubarer Aufwand bei kleinen, gut gedämmten Wohnungen
Dagegen kann sprechen:
- Strom als Brennstoff: Der Arbeitspreis wirkt voll durch (siehe Tabelle)
- hohe Anschlussleistung bei großen oder wenig gedämmten Wohnungen
- Wärme verteilt sich nicht von selbst auf die Räume
- jede Veränderung des Strompreises schlägt unmittelbar auf die Heizkosten durch
Diese Listen sind Abwägungen und keine Empfehlung. Welche Punkte für Sie überwiegen, hängt von Wohnung, Tarif und Wünschen ab.
Typischer Einsatz: Ergänzung statt Ersatz
Im Alltag dienen Infrarotheizungen häufig als Ergänzung: ein Arbeitsplatz, ein selten genutzter Raum, die Übergangszeit, wenn die Zentralheizung noch nicht oder nicht mehr läuft. Für solche Fälle rechnet Infrarotheizung: Stromverbrauch und Kosten berechnen die Kosten mit Thermostat durch. Wer schon mit einer Zentralheizung plant, findet im Ratgeber Zusatzheizung elektrisch Anwendungsfälle und Kosten.
Checkliste vor der Entscheidung
- Wärmebedarf klären: Abrechnung, Energieausweis, Vermieter fragen.
- Strompreis prüfen: Arbeitspreis und mögliche Heizstrom-Tarife.
- Kosten rechnen: Wohnfläche × Wärmebedarf × Strompreis (Tabelle oben).
- Leistung je Raum bestimmen: Faustwerte als Startpunkt, Hersteller-Angaben als Gegenprobe.
- Stromkreise prüfen lassen: Elektrofachkraft.
- Mietvertrag und Vermieter: Zustimmung zu fester Installation einholen.
- Thermostat je Gerät einplanen.
- Eine Beratung einholen: Energieberater oder Fachbetrieb vor einer Heizungsentscheidung. Die Seite Heizung erneuern gibt einen Überblick.
Beispiele für einzelne Räume
Wer einzelne Räume oder Sitzbereiche mit einer Infrarotheizung beheizen möchte, kann die Modelle in der Kategorie Infrarotheizung vergleichen. Zwei Beispiele aus dem Katalog (Angaben laut Hersteller, Eignung und Montageabstände in der Anleitung prüfen):
Kaiser Infrarotheizung 450 W mit Standfüßen und LCD-Display
104,95 €
Stand 31.10.2026 · inkl. MwSt., ggf. zzgl. Versand · maßgeblich ist der aktuelle Preis auf Amazon
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Könighaus Spiegel-Infrarotheizung 600 W mit Thermostat
225,17 €
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